{"id":246,"date":"2009-09-16T13:18:28","date_gmt":"2009-09-16T11:18:28","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.khm.de\/sag\/?p=246"},"modified":"2009-09-16T13:18:28","modified_gmt":"2009-09-16T11:18:28","slug":"extended-text-asche-by-christine-thon-lars-beuse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sag.khm.de\/?p=246","title":{"rendered":"extended text : :asche: by Christine Thon &amp; Lars Beuse"},"content":{"rendered":"<p>Christine S. Thon und Lars H. Beuse<br \/>\n<strong>:asche:<\/strong><\/p>\n<p>Christine S. Thon und Lars H. Beuse generieren aus vorgefundenem Vogelsang-Material, durch<br \/>\neinen direkten und prozesshaften 8 Wochen w\u00e4hrenden Eingriff in der vorgefundenen Architektur<br \/>\neine interventionistische Skulptur, die mit ihrer Au\u00dfenseite an eine ruinenartige Struktur erinnert auf<br \/>\ndie Formeln, Gleichungen, Linien aufgebracht sind, w\u00e4hrend in ihrem Inneren eine gro\u00dfe Strenge<br \/>\nherrscht &#8211; eine innen-aussen Dialektik, die die Grundbestandteile der Vogelsang-Architektur in eine<br \/>\nabstrakte Form u\u0308bersetzt, aus ihr hervorgegangen ist, gleichsam herausdestilliert worden ist.<br \/>\nIm Innersten der Struktur befindet sich eine technische Stahl\/Plexiglaskonstruktion, die als<br \/>\nreaktives Beh\u00e4ltnis fu\u0308r die Performerin dient \u2013 der \u201eVogelsang Reaktor\u201c.<br \/>\nDieser innerste Kern der Skulptur kann vom Besucher nur virtuell durch eine Video Liveu\u0308bertagung<br \/>\nerlebt werden, die auf einem alten Fernseher ausserhalb der Skulptur zu sehen ist. In die<br \/>\nAu\u00dfenwand der Skulptur sind kaleidoskopartige R\u00f6hren eingebracht, durch die die BesucherInnen<br \/>\nTeilaspekte der inneren Strukturen erkennen k\u00f6nnen.<br \/>\nW\u00e4hrend der Performance wird der Reaktor eingeschaltet \u2013 die Performerin steigt in den inneren<br \/>\nKern, um Teil einer Erinnerungsmaschine zu werden, um selbst Erinnerung zu sein.<br \/>\nDie ehemalige NS -\u201cOrdensburg\u201c Vogelsang war eine Einrichtung, in der die politische Fu\u0308hrung der<br \/>\nNationalsozialisten auf ihren Einsatz in der Verwaltung des Deutschen Reiches vorbereitet wurde.<br \/>\nWie kaum ein anderes Bauwerk steht Vogelsang fu\u0308r den Machtanspruch einer neuen \u201eElite\u201c.<br \/>\nDie Architektur Vogelsangs spiegelt diesen Aspekt, mit all seinen verborgenen Ebenen, besonders<br \/>\ndeutlich. Auf den ersten Blick scheint das wichtigste Material des Bauwerks Bruchstein zu sein, ein<br \/>\nMaterial, welches zu den traditionellen Baustoffen der Eifel z\u00e4hlt. Doch wenn man die Oberfl\u00e4che<br \/>\naus Bruchstein &#8220;abkratzt&#8221;, st\u00f6\u00dft man auf eine Konstruktion aus Stahlbeton, ein Material aus dem<br \/>\nBunker gebaut wurden \u2013 Vogelsang ist eine Stahlbetonfestung, tauglich als Bunker, als Kaserne, als<br \/>\ndurch und durch kriegerischer Ort.<br \/>\nIn dieser Stahlbetonfestung waren nationalsozialistische politische Fu\u0308hrungsakademien, die<br \/>\nsogenannten \u201eOrdensburgen\u201c und die sogenannten \u201eAdolf Hitler Schulen\u201c untergebracht &#8211;<br \/>\nBildungseinrichtungen in Stahlbetonkonstruktionen, eingebettet in die Landschaft der Eifel.<br \/>\nIn diesen Geb\u00e4uden konzentrieren sich wesentliche Aspekte der nationalsozialistischen Ideologie:<br \/>\nromantisierende, auf gemanisch-mystische Wurzeln verweisende Aspekte einerseits, und sehr<br \/>\nmoderne industrielle Vorgehensweisen andererseits. Immer tr\u00e4gt diese Ideologie, selbst in ihren<br \/>\nBildungseinrichtungen, die M\u00f6glichkeit und Option des Krieges in sich.<br \/>\nDas romantische, das \u201eurdeutsche\u201c, die Betonung der Naturwahrnehmung, die Verwendung<br \/>\nscheinbar natu\u0308rlicher Materialien erweisen sich konkret im \u201eBau Vogelsang\u201c, als theatralische<br \/>\nInszenierung, als ein Ritual mit dem Ziel, durch emotionale Ansprache die Herzen der damaligen<br \/>\nZeitgenossen zu gewinnen und von den kriegerischen Absichten abzulenken.<br \/>\nWenn aber alles, was die Nationalsozialisten wollten, am Ende doch Krieg war, so ist auch ihr<br \/>\nBildungssystem eine Form des Krieges \u2013 Bildung ist Krieg &#8211; Bildung ist Bunker \u2013 Bildung muss in<br \/>\nStahlbeton gegossen werden.<br \/>\nDie Bildungssysteme der Nationalsozialisten waren tats\u00e4chlich Selektionssysteme &#8211; es waren<br \/>\nSyteme der akribisch erstellten \u201eListen\u201c, der Quantifizierung. Selektion, Befehl und Gehorsam,<br \/>\nGleichschaltung sind in diesem Zusammenhang Begriffe von entscheidender Bedeutung.<br \/>\nLange vor 1933 bereiteten die Nationalsozialisten den Bildungsfeldzug vor: Schriftsteller, Ku\u0308nstler,<br \/>\nIntellektuelle waren vom ersten Tag der \u201eBewegung\u201c ein Hauptangriffsziel der NSDAP. Wenige<br \/>\nMonate nach der Machtergreifung kam es zu Bu\u0308cherverbrennungen, von denen in den damaligen<br \/>\nMedien live berichtet wurde: Mann, Brecht, Heine, Tucholsky, K\u00e4stner waren wenige unter den<br \/>\nvielen, deren Bu\u0308cher verbrannt wurden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christine S. Thon und Lars H. Beuse :asche: Christine S. Thon und Lars H. 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